IN TEXAS HÄTTE ICH DIESEN FEHLER NICHT ÜBERLEBT

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Unter diesem Blog-Artikel findest du ein geheimes Video mit Walrus Ghost und mir aus unserer Studio-Session. Exklusiv nur für LeserInnen meines Blogs. Und im Artikel gibt es einmal kurz Horror aus Brooklyn. 

Zürich, im Oktober 2015.

Fast zwei Jahre habe ich nun in Zürich verbracht, nachdem ich an Weihnachten 2013 aus New York kommend am Münchner Flughafen gelandet bin. Zürich ist anders als New York. Angefangen von den blauen Strassenschildern, dem reduzierten Design, der klaren Typographie vieler öffentlich verwendeter Schriften. In Zürich wird der Gehweg geräumt, bevor der Schnee fällt. Oder zumindest in der gefühlt gleichen Sekunde. Hier ist Träumen erlaubt, aber nur im Stillen, leise, ohne dass man darüber spricht. Warum das so ist habe ich mich oft gefragt. Für mich hat es mit Angst zu tun, Angst vor dem Misserfolg. Bevor man im zugeben muss, dass eine Idee nicht erfolgreich war, spricht man sie lieber gar nicht erst öffentlich aus. Man tut das, was möglich und keinesfalls zu träumerisch ist. Und das tut man so gut wie nirgends auf der Welt. Das gefällt mir an Zürich sehr. Aber träumen, das kann ich besser an anderen Orten.

In zehn Tagen fliege ich nach New York. Christian Banks und ich werden ein Album aufnehmen, an Sounds arbeiten, an unserem Sound arbeiten. Es ist mein zweiter Besuch im grossen Apfel. Wer benötigt bitte ein Taxi vom Flughafen, wenn er die Staubhölle von Brooklyn überlebt hat? Ich fahre also am späteren Abend mit dem A-Train zur Haltestelle Atlantic Avenue und laufe zu meinem Zimmer an der Underhill Ave. Das ist das New York, das man oft in Filmen sieht: Grosse Brownstone-Buildings, Bäume, krumme Strassen und im Wind wogende Strassenschilder. Meine Vermieter hatten mir gesagt, dass sie an Abend meiner Anreise nicht da wären, ich den Schlüssel aber an der Eingangstüre finden würde. Sie steht offen. Komisch.

Bis ich merke, dass ich im falschen Haus bin, habe ich es schon betreten. Ich stehe also im Flur eines fremden dunklen Hauses, die Türschellen haben mein Ankommen lautstark angekündigt. Ich höre im dunklen Wohnzimmer eine Diele knacken und realisiere im selben Moment, dass ich gerade einen schlimmen Fehler gemacht habe. Ich bin froh, dass niemand mit einer Schusswaffe auf mich wartet; das ist in den Vereinigten Staaten keine Selbstverständlichkeit. Wenn ich im Nachhinein die Fälle von in Texas erschossenen Jugendlichen lese, die sich in der Garage geirrt hatten, überkommt mich ein kalter Schauder.

Mein Zimmer im Gebäude nebenan ist das Gegenteil einer Staubhölle. Es ist sehr schön, hell, mit Antiquitäten ausgestattet. Am nächsten Morgen laufe ich durch die Gegend, meine Gegend, denn Clinton Hill, wo ich 2013 gewohnt habe, ist nur 10 Minuten entfernt. Heute sind wir im Studio, nehmen Tracks für unser Album auf. Warum ich unbedingt ein Album mit Walrus Ghost machen wollte? Ich habe über Monate erlebt, wie er neben seinem anderen Job Nacht für Nacht stundenlang an Sounds und Songs geschraubt hat. Das hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich habe eine Hingabe erlebt, die besonders war. Eine Offenheit gegenüber vielfältigen Einflüssen, die ich so aus meinem jazz-geprägten Umfeld nicht kannte. Und gleichzeitig die Tugend, die man sich erwirbt, wenn man New Yorker ist: Man lebt im Moment und gibt alles, um den eigenen Traum zu verwirklichen. Mehr hat man nämlich nicht. Es gibt keine Sicherheiten und wenn, dann sind sie die Privilegien der sehr gut verdienenden Oberschicht, aber nicht der Kreativen.

Wir nehmen Spuren und Songs auf, schrauben, lachen, arbeiten in einem besonderen Flow. Es ist wieder so wie 2013: Die Zeit bleibt stehen. Ich hatte natürlich drangedacht, diesen Moment festzuhalten. Nicht nur in Form unserer Songs, sondern auch auf Video. Die besten Szenen und Momente habe ich zu einem Film geschnitten. Aber pssst, der ist wirklich nur für die LeserInnen meines Blogs. Es gibt ihn nicht öffentlich. Aber du kannst hier einen Blick in unsere Studio-Session werfen. Und ich hoffe sehr, dass es dich ermutigt, deinen Träumen zu folgen, egal welche Hindernisse auf diesem Weg auf dich warten.

An welchen Orten träumst du? Und welche Orte treiben dir das Träumen aus? Lass es mich in den Kommentaren wissen. Ich bin gespannt.